Social Media in der Natur - Location Tagging - Fluch und Segen

Aktualisiert: 12. Apr. 2019


Seit einigen Jahren ist der Boom der sozialen Netzwerke nicht mehr aufzuhalten. Darin inbegriffen ist der stetige Wachstum des Interesses an der Natur und außergewöhnlichen Landschaften. Selbstverständlich bringt dieser verstärkte Fokus auf die Natur, Berge, alpine Seen und einzigartige, unberührte Orte viele Vorteile mit sich. Sei es aus touristischer, wirtschaftlicher oder auch privater Sicht. Ganze Orte, Regionen und gar Länder erfahren eine völlig unbekannte Art von Aufmerksamkeit, welche allerdings auch negative Themen mit sich bringt.


Ich möchte in diesem Blog etwas detaillierter darauf eingehen, welches positiven und negativen Seiten die sozialen Netzwerke für unsere Orte, Landschaften und die Natur mit sich bringen.


Es ist mittlerweile Gang und Gebe, dass besondere Orte mit touristischem und besonderem Charakter in den sozialen Netzwerken hervorgehoben werden. Seien es Orte, Städte, Regionen oder gar ganze Länder. Hier zählen sicherlich Länder wie Bali und Island zu den bekanntesten Beispielen aber auch bei uns hält dieses Thema Einzug.


Bekannte Beispiele sind der Prager Wildsee, Eibsee oder das Berggasthaus Aescher (hier ein interessanter Link zu diesem Thema von der Süddeutschen Zeitung). Nun ist diese Entwicklung ja grundsätzlich als positiv bzw. nicht negativ zu betrachten. Zumal viele Orte wirtschaftlich davon profitieren und die Aufmerksamkeit auf Orte gelenkt wird, welche dieses Interesse wahrscheinlich vorher nicht geweckt hätten. Jedoch zu welchem Preis?


Bilder vom Pragser Wildsee auf welchen Menschen völlig allein vor einem glasklaren, spiegelnden See posieren, sind in der Realität (außerhalb der Bilder) fast nicht mehr möglich. Unzählige Menschen tummeln sich bereits noch vor Sonnenaufgang am See nur um das "eine Bild" zu bekommen. Daran ist generell auch nichts auszusetzen, nur stellt sich hier die Frage, wer denn diese Kulisse und Atmosphäre noch wirklich wahrnimmt und schätzt und wer schlichtweg dort ist, um das "meist gelikete" Bild zu erhalten - ohne jeden Bezug zur Natur und Landschaft zu haben.


Meiner Meinung nach bleibt hier sehr viel auf der Strecke. Zumal der Grundgedanke des Besuchs der Natur, der Berge oder besonderer Landschaften darin liegen sollte, unsere einzigartige Welt zu genießen und wahrzunehmen. Natürlich darf und soll man die Kamera zücken und Bilder machen, allerdings vor einem anderen Hintergrund als nur dort zu sein, um ein gefragtes Foto zu machen. Der Hintergrund sollte sein, dass man nach draußen geht, um aktiv zu sein, um die Natur zu erleben, um neue Orte zu erkunden (ohne einem Trend oder einem gehypten Ort hinterher zu laufen) und diese besondere Erinnerung fest zu halten. Es ist doch gerade das Besondere, wenn man sich einige Tage im Voraus Gedanken über eine neue Tour oder Reise machen kann, recherchiert und plant und dann der Tag kommt, an welchem man auf ein neues Abenteuer loszieht und neue Erfahrungen sammelt.

Natürlich sind Posts von interessanten Orten vergleichbar mit Tipps und Ideen, jedoch bietet die Welt mehr als das, meist sogar noch schönere und naturbelassene Orte.


Unsere Berge sauber zu halten, sollte ein Grundprinzip eines jeden Naturliebhabers sein

Fazit

Vertaggungen sind natürlich in Ordnung, jedoch mit Bedacht. Ich selbst tagge meist nur eine Region oder einen Überbegriff, da ich besondere Orte schützen und naturbelassen halten möchte. Man muss sich der Reichweite der sozialen Netzwerke bewusst sein und auch der Folgen. Zumal vor allem die Umwelt, die Tiere und der Zustand von seltenen und wertvollen Naturschutzgebieten unter der Entwicklung leidet. Bestes Beispiel hierzu ist der Schrecksee in meiner Heimat (im Link ist ein Video mit dem Aufruf der Gemeinde Bad Hindelang zu finden, den See zu schützen und einen gepflegten und nachhaltigen Umgang mit der Natur zu halten). Auch das BR hat einen Beitrag hierüber verfasst.


Wildtiere schütze und deren Lebensräume erhalten

Man muss alles kritisch betrachten, da man nicht alles und jeden über einen Kamm scheren darf, jedoch ist die Tendenz klar erkennbar, dass immer mehr Menschen sich in der Natur aufhalten ohne elementare Kenntnisse über die Verhaltensregeln dort zu kennen. Oftmals würde man meinen, dass gesunder Menschenverstand ausreichend wäre - jedoch ist dem leider oftmals nicht so. Besonders im Bezug auf Müll und Verschmutzung bezogen, ist es teils erschreckend, wie die Menschen mit der Natur umgehen. Es wird weder nachhaltig und überlegt gepackt (ohne Plastik und ohne wiederverwendbare Materialen) noch daran gedacht den eigenen Müll wieder mitzunehmen.


Daher muss hinterfragt werden, ob diese Entwicklung sinnvoll und nutzbringend ist und ob man selbst einen Betrag leisten kann, das Thema zu entschärfen. Dies fängt allein schon mit einem nachhaltigen Umgang mit der Natur an. Jeder der sich in der freien Natur bewegt, kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, indem man Müll erst gar nicht an den Berg bzw. in die Natur bringt und bei regionalen Erzeugern - ohne Verpackung - einkauft. Sollte dennoch Müll entstehen, reicht es schon, wenn man diesen wieder mitnimmt und wenn möglich auch den, den man am Wegesrand sieht.


Ein Beispiel für Nachhaltigkeit ist eine geniale Brotzeitbox mehrerer engen Freunde (bei welcher ich selbst auch dankbarer Weise einen Beitrag leisten kann). Der "Patron" steht sinnbildlich für #plasticfreepeaks und soll ein Grundstein für genau das Thema sein.




Keep the mountains clean and go outside and expand your playground!



Auch die zukünftigen Generationen sollten freien Zugang zu sauberen und naturbelassenen Bergen haben, um die Schönheit der Natur bewundern zu können.
Die Berge für die Generationen schützen

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